
Samstagabend 22.47 Uhr - ein schwerer Verkehrsunfall mit mehreren Verletzten an der "Doppelbrücke" zwischen Trebur und dem Rhein wird gemeldet. Ein alkoholisierter Autofahrer hat an einer Kreuzung im Feld ein weiteres Fahrzeug gerammt. Mehr ist nicht bekannt. Die Männer und Frauen der Feuerwehr lassen alles stehen und liegen, legen die Schutzkleidung an und besetzen sofort die Fahrzeuge. Im Fahrzeug werden bereits erste Anweisungen an die Besatzungen gegeben. Der Adrenalinpegel steigt.
Am Einsatzort ist es stockdunkel: Die nächsten Lichtquellen sind kilometerweit entfernt. Nur brennende Fahrzeugteile und der Mond am sternenklaren Himmel sorgen für etwas Licht. Erste blitzende Blaulichter kommen näher. Es ist kalt. Die erste Erkundung ergibt: Durch den Aufprall überschlug sich das gerammte Fahrzeug und blieb auf dem Dach liegen. Die Insassen wurden aus dem Auto geschleudert. Im anderen Fahrzeug sind zwei Personen eingeklemmt. Eine Person ist bewusstlos. Trümmer liegen auf der Kreuzung verteilt, Benzin läuft aus. Ein für chaotisches Bild, das zum Glück nur Teil eines inszenierten Unfalls bei der 24-Stunden-Übung der Treburer Feuerwehr am vergangenen Wochenende war.
Während ein Großteil der Bundesbürger den Eurovision Song Contest im Fernsehen verfolgt, retten die Einsatzkräfte den vermeintlichen Unfallopfern, die durch Jungs der Jugendfeuerwehr gespielt wurden das Leben. Funksprüche und das Brummen der Stromgeneratoren durchziehen die Nachtruhe. Gleich mehrere Aufgaben müssen parallel bewältigt werden: Die Verletzten müssen gerettet, der Brandschutz hergestellt, die Unfallstelle ausgeleuchtet und das Feuer gelöscht werden. Die Anspannung ist hoch, doch die Einsatzkräfte müssen ruhig bleiben. Zeitgleich suchen die Feuerwehrleute außerdem mit Taschenlampen und Wärmebildkamera nach den herausgeschleuderten Insassen. Wenige Minuten später finden sie zwei Verletzte in einer Wiese liegend. Mit im Einsatz sind auch die Retter des Treburer DRKs, die die Betreuung und Versorgung der vermeintlichen Unfallopfer übernehmen. Die Zusammenarbeit, wie im Realfall auch stand dabei ebenso im Fokus. Daher war auch eine Abordnung Nauheimer Feuerwehrleute in die Übung eingebunden, die die Treburer Einsatzkräfte bei der Rettung unterstützten.
Mit schwerem hydraulischem Gerät entfernen die Wehrleute die Türen und das Dach des Unfallfahrzeugs, um die Opfer möglichst schonend zu befreien. Nach etwa einer Stunde sind alle Verletzten gerettet und versorgt. Die Übung ist beendet. Doch die nächste Herausforderung lässt nicht lange auf sich warten.
Insgesamt acht Übungen standen auf dem Programm der 24-Stunden-Ausbildung. Damit sich die Teilnehmer nicht auf eine Übung einstellen konnten, waren diese vorher nur den Organisatoren bekannt. Zu Beginn der Dauerübung waren die Retter gleich voll gefordert: Ein Waldarbeiter war bei Fällarbeiten von einem Baum begraben worden und musste schnell gerettet werden. Zudem wurde ein brennendes Klimagerät auf dem Neubau der Mittelpunktschule angenommen. Dafür mussten die Atemschutzgeräteträger mit ihrem fast zwanzig Kilogramm schweren Gerät über eine Schiebleiter aufs Dach klettern. Aber auch zwei echte Kleinbrände wurden zu Übungszwecken von den Einsatzkräften abgelöscht.
Die kurze Nacht verbrachten die Teilnehmer auf Matratzen und Feldbetten im Gerätehaus. Die Einsatzbereitschaft blieb während der Übung natürlich gewährleistet. Am Morgen folgte eine Notfalltüröffnung am Treburer Bauhof und eine Bootsübung auf dem Rhein, bei der ein hilfloser Schwimmer angenommen wurde. Den Abschluss der 24-Stunden-Übung machte ein schwieriger Einsatz im Treburer Freibad. Dort wurde austretendes Chlorgas bei einem Brand angenommen. Bei dem schweißtreibenden Einsatz stand vielen der fehlende Schlaf ins Gesicht geschrieben. Dennoch mussten die Einsatzkräfte voll konzentriert mit schwerer Schutzkleidung einen vermissten Angestellten im völlig verqualmten Maschinenraum suchen, in Sicherheit bringen und Proben im Chlorgasraum entnehmen. "Doch auch wenn es anstrengend war, hat es riesig Spaß gemacht", waren sich alle einig.
Da zu der Einsatzabteilung viele junge und neue Mitglieder - allein vier neue Aktive in diesem Jahr - gehören, war die 24-Stunden-Übung optimal, um viel Praxiswissen in kurzer Zeit zu vermitteln. Die Übungen deckten daher verschiedene Bereiche der Brandbekämpfung und der Technischen Hilfeleistung ab. Mit dem Verlauf waren die Organisatoren äußerst zufrieden. Internet: www.feuerwehr-trebur.de. (dm)
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