
Wenn die Pegel steigen und das Wasser an den Deichen immer höher klettert, rücken ab einer gewissen Stufe die Feuerwehren als Wasserwehren aus. Im Gemeindebereich befinden sich insgesamt 11,4 Kilometer Rheinwinterdeiche, die bei einem starken Hochwasser rund um die Uhr durch Deichwachen auf ihre Unversehrtheit untersucht werden müssen. Die Einsatzabteilungen aus Trebur und Astheim nahmen vor wenigen Tagen an einem Seminar zum Thema "Deichverteidigung" bei der Deichmeisterein in Biebesheim teil, um die Kenntnisse in diesem Bereich aufzufrischen, und um Feuerwehrneulinge, mit den Maßnahmen bei einem Hochwasser vertraut zu machen.
Neben theoretischen Themen, wie dem Aufbau und den Besonderheiten der Deiche, sowie den Zuständigkeiten der verschiedenen Organisationen stand vor allem die Praxis im Fokus, denn besonders wichtig ist das frühzeitige Erkennen von Gefahrenstellen, betonte Annett Friedrich von der Deichmeisterei, die auch für das RP Darmstadt die Deicherneuerung in Trebur überwacht. So zeigen sich Schäden am Deich, oder Unterspülungen durch austretendes Wasser an. Solange das Sickerwasser klar ist, kann die "Quelle" noch als relativ ungefährlich eingestuft werden. Jedoch sind diese genau auf kleinste Veränderungen zu beobachten. Sobald das Wasser trüber wird oder sogar Material wie Sand, oder Erde aus dem Deich schwämmt ist die Standsicherheit des Deichs in Gefahr. Dann muss schnell und bedacht gehandelt werden. Auch das trainierten die Retter: zuerst das Befüllen und Zunähen von Sandsäcken an einer speziellen Maschine, anschließend den Transport der Säcke über eine Menschenkette und dann die verschiedenen Möglichkeiten den Wasseraustritt effektiv und deichschonend zu stoppen. Direkt am Deich werden viele Menschen benötigt, um die Sandsäcke zu transportieren. Am effektivsten funktioniert dies über eine Menschen-, oder auch Römerkette. Dabei werden die Säcke Hand in Hand gereicht. Eine kraftzehrende Arbeit, wie die Feuerwehrleute am eigenen Leib feststellten. Die Sandsäcke selbst sollten zu etwa zwei Dritteln gefüllt sein, prallgefüllte Säcke schließen beim Stapeln nicht lückenlos, erklärte Friedrich. Sie wiegen in trockenem Zustand etwa fünfzehn Kilogramm.
Austrittsstellen am Deich, auch Quellkaden genannt, lassen sich am sinnvollsten mit einem "Fangedamm" stoppen. Dabei werden Sandsäcke halbkreisförmig um die Austrittsstelle aufgebaut. Dadurch staut sich das Sickerwasser an und baut einen Gegendruck auf, der den Austritt stoppt. In einem eindrucksvollen Modellversuch zeigten die Experten zudem, wie ein kompletter Deich durch eine Unterspülung ins Rutschen kommen kann. Wichtig ist daher auch die Deichpflege. So betonte Friedrich, dass beispielsweise kein Baum und kein Busch direkt auf, oder am Deich stehen sollte und die Bauwerke regelmäßig auf Schäden zu prüfen sind. Das letzte große Hochwasser ereignete sich im März 1988, damals stand der Rhein kurz vor dem Überspülen des Winterdeichs der Gemeinde, lediglich etwa zwanzig Zentimeter Deichkrone schauten damals noch aus dem Wasser. Aktuell führt der Rhein Normalwasser. (dm)
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