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Sonntagnacht, 2.01 Uhr: Ein schwerer Verkehrsunfall auf dem Riedweg von Trebur in Richtung Rhein wird gemeldet. Sofort wird alles im Feuerwehrhaus stehen und liegen gelassen, der Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Der Adrenalinspiegel steigt, die Einsatzkleidung wird angelegt und die Fahrzeuge besetzt. Die Fahrt ist laut, rasant und holprig. Jede Bodenwelle ist auf den harten Sitzen zu spüren. Funksprüche, das Martinshorn und letzte Anweisungen durchschneiden die Luft. Jeder ist angespannt und geht während der Fahrt noch einmal die Theorie durch. Der Atemschutztrupp legt seine fast zwanzig Kilogramm schwere Ausrüstung an. Nach der ersten Meldung sind zwei Personen in einem Auto eingeklemmt, in einem zweiten Unfallwagen, der sich durch den Aufprall überschlagen hat liegt ein drittes Opfer, welches keine Reaktion mehr zeigt. Ein paar Meter entfernt: ein drittes beteiligtes Fahrzeug, welches lichterloh brennt. So fanden die Einsatzkräfte die Einsatzstelle auf dem Riedweg in der Höhe des Stadions vor. Glücklicherweise nur eine extrem realistisch vorbereitete Übung, welche ein Teil der 24-Stunden-Übung der Treburerer Feuerwehr war. Damit die Unfallübung noch realistischer wirkte holten die Organisatoren auch noch das "RUD-Team" des Kreisjugendrotkreuz ins Boot. Die Experten für eine "realistische Unfalldarstellung" schminkten die Mimen mit Verletzungen, die so echt wirkten, dass sogar Passanten, welche die Übung gespannt beobachteten erst geschockt an einen Realeinsatz glaubten und bei den Einsatzkräften nachfragten, bevor sie erleichtert Gewissheit erhielten. Die Verletztendarsteller sind speziell für solche Einsätze ausgebildet und haben sich dafür schauspielerische Leistungen angeeignet. Mit dabei auch das Treburer DRK, welches die Betreuung und Versorgung der Unfallopfer übernahm und die Zusammenarbeit mit der Feuerwehr, welche bei Realeinsätzen höchste Priorität hat probte. Bei dieser Übung war gute Koordination und Taktik gefragt, denn gleichzeitig musste das brennende Fahrzeug gelöscht und die Verletzten gerettet werden. Nebenbei musste auch noch die Unfallstelle ausgeleuchtet werden, denn vor Ort war es stockdunkel; nur das Blaulicht der Fahrzeuge blitzte durch die Nacht. Alles muss schnell gehen. Trotzdem ist jeder Schritt, jede Bewegung genau durchdacht. Für den Fahrer des überschlagenen Fahrzeugs kam jede Hilfe zu spät, wie der Notarzt vor Ort feststellte. Daher konzentrierte sich die Arbeit auf die Rettung der beiden eingeklemmten Personen. Mit schwerem hydraulischen Gerät entferten die Wehrleute die Türen und das Dach des Fahrzeugs, um zusammen mit dem Roten Kreuz die Unfallopfer möglichst schonend aus dem Fahrzeug zu befreien.

Die zweite große Teilübung fand in der Mittelpunktschule statt. Dort wurde ein Unfall in einem Chemieraum angenommen. Zwei Kinder konnten sich noch aus dem Gebäude retten, vier weitere Kinder wurden vermisst und auch zwei Lehrkräfte schafften es nicht heraus, berichteten die Unverletzten den angerückten Einsatzkräften. Sofort begann die Suche nach den Vermissten im Gebäude. Das erste Stockwerk war komplett vernebelt und die Hand vor Augen nicht mehr zu sehen. Unter Atemschutz suchten die Angriffstrupps die Verletzten und verbrachten sie aus der Gefahrenzone. Im Schulhof baute das DRK währenddessen eine Versorgungsstelle auf und übernahm dort die weitere Behandlung der Opfer, welche wieder realitätsnah geschminkt waren. Auch der neue Gerätewagen "Rettung" des DRK kam zum Einsatz. Die Kinder der Jugendfeuerwehr spielten bei dieser Übung begeistert die Verletzten. Bei beiden Übungen funktionierte die Zusammenarbeit zwischen Rotem Kreuz und Feuerwehr sehr gut, wie Sönke Lase, Bereitschaftsleiter des Treburer DRK bestätigte. Bei den restlichen Übungen der 24-Stunden-Übung waren nur noch die Kräfte der Treburer Wehr aktiv. Gleich zu Beginn waren die Retter bei einem Gefahrguteinsatz auf dem Bauhof gefordert. Dabei stellten die Wehrleute fest, dass es sich bei einer unbekannten ausgetretenen Flüssigkeit um Ammoniak handelte. Es folgte ein Silobrand im Feld, welcher bekämpft werden musste. Mitten in der Dunkelheit der Nacht suchten die Retter erfolgreich eine vermisste Person im Treburer Wald mit Wärmebildkamera, Nachtsichtgerät und Taschenlampen. Die kurze Nacht verbrachten die Feuerwehrleute im Unterrichtsraum. Dort hatten sie Matratzen und Feldbetten aufgeschlagen und es sich für die etwa dreistündige Nachtruhe bequem gemacht. Am Morgen folgte eine Rettungsaktion in einer Rheinbucht, wo ein Angler verunglückt war und vom Boot aus gerettet werden musste. Die Müdigkeit war deutlich spürbar, doch der Kopf musste hellwach, die Einsatzkräfte konzentriert sein. Die Einsatzbereitschaft blieb während der 24 Stunden natürlich durchgehend gewährleistet - zum Glück, wie sich herausstellte, denn nach einem deftigen Mittagessen vom Grill und während die letzten Aufräumarbeiten der Übung im Gerätehaus stattfanden, ging plötzlich ein echter Alarm ein: am Astheimer Sportplatz brannte eine große Fläche Schilf (wir haben berichtet). Nach diesem Einsatz rückten die Wehrleute zum letzten Mal in die Halle ein, ehe der lange Feuerwehrtag beendet war. Sinn der 24-Stunden-Übung: die Gewinnung neuer Erkenntnisse und eine bessere Vorbereitung auf künftige Einsätze. Da die Übungen verschiedene Einsatzgebiete abdecken, kann innerhalb der kurzen Zeit viel Erfahrung gesammelt werden. Zusätzlich können sich die freiwilligen Helfer in die Lage eines Berufsfeuerwehrmannes versetzt fühlen, denn die Übungen waren nur den Organisatoren, nicht aber der Mannschaft bekannt und damit jedes Mal eine neue Herausforderung. Die mittlerweile dritte Übung dieser Art soll auch im nächsten Jahr wieder stattfinden. (dm)

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